Blauer Himmel, grüne Wiesen und Oberflockenbach

Bericht über die DAV-Monatswanderung „Rund um Oberflockenbach“

vom 22.03.2026 mit Hans Schlabing.

Dieser Sonntag begann mit strahlendem Sonnenschein und blieb auch bis zum Abend so schön, wie er angefangen hatte. Darüber freuten sich 34 WanderInnen zusammen mit Hans Schlabing, der zur Märztour in Oberflockenbach eingeladen hatte. Auf dem Parkplatz der Gaststätte „Zur Rose“ stimmte Hans die Gruppe zuerst mit einigen Informationen aus der Ortsgeschichte auf die nächsten Stunden ein.

Heute bilden die Daummühle, Wünschmichelbach, Steinklingen und Oberflockenbach zusammen die Ortschaft Oberflockenbach, die seit 1972 zu Weinheim gehört. Oberflockenbach hat aktuell 2300 Einwohner, im Jahr 1939 waren es noch 656.

Der „vicus floki“ ist 1012 urkundlich bezeugt, ob aber damit Ober- oder Unterflockenbach gemeint war, weiß man nicht. So werden heute alle Jubeljahre in (Groß-)Flockenbach gemeinsam gefeiert, sowohl im hessischen als auch im badischen Teil – wenn das keine weise Entscheidung ist! Das sogenannte „badische Dreieck“ – heute das Gebiet von Rippenweiher und Oberflockenbach – wurde um die erste Jahrtausendwende von der nahen Rheinebene aus besiedelt. Keines der durchweg kleinen Dörfer hatte eine eigene Kirche, alle gehörten zum Sprengel Leutershausen. Damit mussten zur damaligen Zeit auch die Verstorbenen aus dem ganzen Kirchenbezirk in Leutershausen begraben werden, neben denen aus Oberflockenbach und dem heutigen Rippenweiher noch diejenigen aus Hilsenhain und Ursenbach. Am weitesten weg von Leutershausen liegt Hilsenhain. Von dort „hinten“ wurden die Toten am Tag der Beerdigung auf dem Höhenweg vom „Üblen Wasser“ am Eichelberg vorbei, über die Ursenbacher Höhe und den Kanzelberg nach Leutershausen gebracht, damals entstand der Name Leichtweg, dessen Sinn sich durch das Wegnehmen des „t“ erschließt.

Mit dem Bau der Filialkirche in Heiligkreuz, die von Leutershausen aus geistlich versorgt wurde, verlor der Leichtweg seine namengebende Bestimmung und erlebte erst als moderner Wanderweg gewissermaßen seine Wiedergeburt. Als Teil eines Rundweges mit Einschluss des Leichtweges ist der geologische Lehrpfad beliebt, der unter anderem zur Spatschlucht und zum Wilhelmsstollen im Süden des Leichtweges führt.

Zurück nach Heiligkreuz: begraben wurde auf dem dortigen Friedhof über Jahrhunderte hinweg unter vielen Erweiterungen bis 1886, als die Behörden den Betrieb wegen „unhaltbarer Zustände“ definitiv untersagten. Im selben Jahr bekam Oberflockenbach seinen eigenen Friedhof im heutigen Oberdorf (so hat der Berichterstatter diesen Dorfteil getauft).

Auf den Parkplatz der „Rose“ schaut von oben das alte Schulhaus aus dem Jahr 1913 herunter, von außen noch heute ein Schmuckstück. Einen Schutzengel hatten Kinder und Lehrer gleich am Anfang, die zu schwachen Betondecken mussten gleich nach Einzug durch bessere ersetzt werden. Schon 1963 waren wiederum die Zustände im alten Gebäude nicht mehr gedeihlich, aber erst 1971 entstand dann die Theodor-Heuss-Grundschule im Oberdorf. Dort liegen auch nah beieinander der Friedhof (1886), die evangelische Kirche (1936), die katholische Kirche (1957) und der Kindergarten (1992). Die Kirchtürme sind weithin sichtbar, je nach Blickwinkel.

Die Erträge der Landwirtschaft auf dem eher kargen Lehmboden reichten früher oft nur knapp zum Überleben. Aber sogar Steine können Brot bringen, wie sich im neunzehnten Jahrhundert zeigte: Der Odenwälder Granit wurde etwa ab dem
Jahr 1871 zum modernen Baustoff und findet sich an manchen Bauwerken im Ort wieder, auch in der hiesigen Spielart als „Odenwälder Reichsgranit“ in den Farben Schwarz (Glimmer), Rot (Feldspat) und Weiß (Quarz). Etwa 200 Menschen fanden alleine in den Steinbrüchen am Steinberg Arbeit. Im Odenwald hatte man nicht gelernt, Granit zu brechen, so wurden Italiener als Saisonarbeiter angeworben. Antonio Cestaro pachtete 1904 den hiesigen Steinbruch, der etwa in den siebziger Jahren allmählich eingestellt wurde und heute der Tiefbaufirma Rüdiger Cestaro als Lagerplatz dient. Adam Cestaro war Bürgermeister von Oberflockenbach von 1948 bis 1972.

Die ersten 15 Minuten der Tour gingen durch die ehemalige Gewann „Ammenpfad“, ein schönes Neubaugebiet mit großzügigen Häusern. Auch ein Sträßchen trägt diesen Namen, ein Feldweg in dessen Fortsetzung geht direkt zum Leichtweg auf der Ursenbacher Höhe. Was diese Wege erzählen könnten!

Oben liefen wir ein Stück Richtung Eichelberg und dann – weg vom Leichtweg – in einer Schleife herunter nach Ursenbach. Der Ort blickt auf mindestens 710 Jahre Geschichte zurück und gehört seit 1973 zu Schriesheim. Wir beehrten den Rastplatz am ehemaligen Rat- und Schulhaus, heute Dorfgemeinschaftshaus. Für Nachahmer: der Rastplatz hat ein Dach! Wir haben es nicht gebraucht.

Nach einer kleinen Stärkung ging es in südlicher Richtung über die „Bluthecke“ und die „Wolfshecke“, mehr auf als ab, zum Haus der Naturfreunde Schriesheim. Der Bewirtungsbetrieb beginnt erst im April, Stühle und Tische standen schon perfekt geputzt draußen, hier wird man sicher gut einkehren können. Auch die Speisekarte konnten wir schon mal betrachten.

Von hier ging es schnell wieder auf die Höhe und damit auch wieder auf den Leichtweg, bald war die „Saatschule“ erreicht. Im Sommer ist hier regelmäßig das Ferienlager der Stadt Hirschberg, 170 Kinder und 40 Betreuer sind dieses Jahr eingeplant. Für uns war die Saatschule mit ihren vielen Tischen und Bänken ein wunderbarer Rastplatz, die Rucksäcke wurden weitgehend von ess- und trinkbarem Ballast befreit, bevor der Weg noch ein wenig aufwärts zum Kanzelberg führte, wieder mal vom Leichtweg weg.

Der Atzelbach war jetzt das Ziel, wir erreichten ihn bei den letzten Häusern von Heiligkreuz. Das erste zarte Grün in den Bäumen, einige blühende Schlehenbüsche und Kirschpflaumen und die saftig grünen Wiesen begleiteten uns bis zum Wald, wo Primeln, Buschwindröschen und Bärlauchteppiche so groß wie Fußballfelder die Frühlingspracht fortsetzten. Hier ging es nochmal ordentlich in die Höhe bis zum Juden- und Steinberg – diese beiden liegen westlich der Ursenbacher Höhe, wo wir ein letztes Mal auf den Leichtweg trafen. Ein markantes Naturdenkmal auf der Höhe ist die Zigeunereiche, als Grenzbaum war er tabu für Säge und Beil, leider hat er direkt am Boden eine große kranke Stelle.

Weiter ging es noch über den Oberflockenbacher Steinberg, hier liegen viele große Granitblöcke, auch gibt es sogenannte Felsburgen hier, wie aufgeschichtet aus Blöcken.

Pünktlich um 15:30 wie bisher (!) immer bei Hans trafen wir an der Rose zum gemütlichen Abschluss ein.

Nach 16 km und 470 hm blicken wir auf eine abwechslungsreiche und bestens geführte Tour zurück. Unser herzlicher Dank gilt dem Wanderführer für die gründliche Vorbereitung, die Fülle an spannenden Informationen, Umsicht und die souveräne Leitung und die wunderbare Atmosphäre während der gesamten Tour.

27.03.26 HS/ES

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